IRIS und ISO/TS 22163 – Bahnindustrie

Neuerungen: aus der IRIS-Rev.2 wird die ISO/TS 22163 

Im Oktober 2016 wurde durch die UNIFE bekannt gegeben, das seitens der ISO innerhalb des Gremiums TC 269 die Bestätigung erfolgte, dass der weltweite Standard für Qualitätsmanagementsysteme innerhalb der Bahnindustrie IRIS- Rev. 2 durch die neue Version ISO/TS 22163 abgelöst wird. Die Zertifikate von nach IRIS-Rev. 2 zertifizierten Organisationen müssen somit durch ein „Transitionaudit“ auf die ISO/TS 22163 umgestellt werden. Die ISO/TS 22163 bezieht und berücksichtigt die "High-Level-Struktur" und die Anforderungen der ISO 9001:2015 in vollem Umfang und enthält Zusatzanforderungen speziell für die Bahnindustrie. Die Veröffentlichung der ISO/TS 22163 und deren zugehörige Zertifizierungsvorgaben ist für Mai 2017 geplant, daher kann wohl 2-3 Monate später mit den ersten Umstellungsaudits begonnen werden, da zuvor die Auditoren der Zertifizierungsgesellschaften entsprechend geschult und geprüft sein müssen.

Wer stellt diese Anforderungen? Historischer Rückblick.
Die großen Systemhäuser Alstom Transport, Ansaldo Breda, Bombardier Transportation und Siemens Transportation verpflichten mit einem Schreiben an mehr als 1000 Zulieferer diese, bis zum 01. Januar 2009 eine Zertifizierung nach IRIS vorzulegen.

An wen richtet sich dieser neue Standard?
An alle direkten und indirekten Zulieferbetriebe
(Hersteller von Systembauteilen und Einzel-
komponenten), Betreiber sowie Hersteller
von Schienenfahrzeugen.

Man kann sagen: „Wer Antriebe, Steuerungen,
Karosserieanbauteile, Fahrwerkskomponenten,
Innenausstattungen, pneumatische, hydraulische
oder elektronische Bauteile für Schienenfahrzeuge
produziert, muss mit dem neuen Standard arbeiten.

Was versteckt sich hinter dem Begriff IRIS?
IRIS (International Railway Industry Standard) basiert auf der international anerkannten Norm ISO 9001 und ergänzt diese Norm um die spezifischen Merkmale der Branche  „Schienenfahrzeugbau“. IRIS ist ähnlich aufgebaut wie andere branchenspezifische Standards aus der Automobil-, Luftfahrt- oder Lebensmittel industrie und wird durch die UNIFE (Association of European Railway Industries) gefördert und verwaltet und ist international anerkannt.

Das IRIS – Verfahren
IRIS (International Railway Industry Standard) basiert auf der international anerkannten Norm DIN EN ISO 9001 und ergänzt diese um die spezifischen Merkmale der Branche „Schienenfahrzeugbau“. Dazu zählen:

  • Management der Kundenbeziehungen
  • Management von Anfragen
  • Projektmanagement
  • Entwicklung
  • Supply Chain Management (Outsourcing) / Kundendienst
  • Konfigurationsmanagement
  • Erstmusterüberprüfung (FAI, First Article Inspection)
  • RAM (Reliability, Availability, Maintainability = Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Instandhaltbarkeit und Sicherheit)
  • LCC (Life Cycle Cost = Lebenszykluskosten)
  • Lenkung von Erkenntnissen (Wissensmanagement)

Der bisherige IRIS – Fragenkatalog
Der Standard beschreibt weiterhin einen Bewertungsprozess, ein Auditsystem und eine Scoringmethode (Punktwertmethode mit Bewertungen und Gewichtungen).
Das Ergebnisscoring liefert fünf Niveaus, in die Unternehmen eingeordnet werden und zwar in Abhängigkeit der Reife ihres Managementsystems (optimiert bis ungenügend).

Hier die wichtigsten Fakten zum bisherigen IRIS- Fragenkatalog:

  • Der Fragenkatalog enthält 250 Fragen
  • Von den 250 Fragen basieren 108 auf der ISO 9001 und 142 auf IRIS.
  • Davon sind:

– 200 offenen Fragen
– 38 geschlossene Fragen und
– 12 sogenannte K.O.- Fragen
zu Kriterien wie z.B. Validierung der Prozesse für Produktion und Service,
Design, Projektmanagement, Change Management, Kontrolle nicht-konformer
Prozesse usw. Diese Fragen sind immer im vollen Umfang positiv zu beantworten,
ansonsten ist das Audit nicht bestanden!

  • Die maximal erreichbare Punktezahl beträgt:
    – 200 offenen Fragen x Faktor 4 = 800 Punkte
    – 38 geschlossene Fragen x Faktor 2 = 76 Punkte '
    – 12 K.O.- Fragen ohne Punktegewichtung = 0 Punkte
    – Sind zusammen 876 Punkte
     
  • Die Mindestpunktzahl beträgt:
    – 200 offenen Fragen x Faktor 2 = 400 Punkte
    – 38 geschlossene Fragen x Faktor 2 = 76 Punkte
    – 12 K.O.- Fragen ohne Punktegewichtung = 0 Punkte
    – Sind zusammen 476 Punkte = 54,34 % der Maximalpunktzahl
     
  • Aber Achtung: wird nur eine der insgesamt 250 Fragen nur mit 1 Punkt
    oder gar mit 0 Punkten bewertet, ist das Audit nicht bestanden!
    Bei jeder Frage sind also mindestens 2 Punkte zu erreichen!

Die Vorteile
Wer jetzt schon mit Brief und Siegel unter Beweis
stellen kann, dass er den Standard erfolgreich
anwendet, verschafft sich klare Wettbewerbsvorteile.

Nicht zuletzt durch eine frühzeitige Aufnahme
in die UNIFE-Datenbank, in der alle zertifizierten
Unternehmen mit ihrem erreichten Ergebnis
gelistet werden.

 

Weitere Vorteile sind:

  • Global anerkanntes Zertifikat.
  • Da IRIS-Rev. 2 und auch die Nachfolgenorm ISO/TS 22163 auf der Norm ISO 9001 aufbaut, können integrierte Zertifizierungen nach den beiden Normfamilien durchgeführt werden.
  • IRIS- bzw. ISO/TS 22163- zertifizierte Unternehmen werden durch UNIFE in einer Datenbank geführt, die von den Einkäufern aller großen Hersteller genutzt wird.
  • Einsparung von Zeit, Kosten und Aufwand.

Unser Leistungsumfang
Bereiten Sie sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen in der Bahnindustrie vor. Unser Leistungsumfang gewährleistet auch bei dieser speziellen Qualitätsnorm eine normenkonforme Umsetzung der Anforderungen und die anschließende Zertifizierung.

—————-
Bild rote Lok: Paul-Georg Meister  / pixelio.de