EN 9100 Luft- u. Raumfahrt

Qualitätsmanagement in der Luft- und Raumfahrt

Die Serie der EN-9100-Normen steht für ein umfassendes Qualitätsmanagement -System bei
Herstellern und Lieferanten der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie neuerdings auch im Bereich
der Wehrtechnik.

Neuerungen bei der EN-9100-Reihe

Die Normen der Luft- und Raumfahrt-Familie werden zur Zeit an die Mutternorm, die DIN EN ISO 9001:2015, sowohl inhaltlich als auch in der High Level Structur angepasst. Mit der endgültigen Umstellung auf die

  • DIN EN 9100:2017: Qualitätsmanagement – Anf. für Konstruktion, Entwicklung, Produktion, Montage und Wartung

  • DIN EN 9110:2017: Qualitätsmanagement – Anforderungen für Wartungsorganisationen

  • DIN EN 9120:2017: Qualitätsmanagement – Anforderungen für Händler und Lagerhalter

wird bis Sommer 2017 gerechnet, da die Normentwürfe bereits seit März 2017 beim Beuth-Verlag zu erwerben sind. Weiterhin enthalten auch diese Normen eine Reihe von Forderungen, die über die der ISO 9001 hinausgehen. Alle Unternehmen, die nach DIN EN 9100/9110/9120:2010 zertifiziert sind, müssen nach aktuellem Stand bis zum 14.09.2018 auf diese neuen Normen umgestellt haben. Eine Neu- oder Re- Zertifizierung nach den alten Normen ist nur noch bis zum ca. 15.06.2017 möglich, dabei aber auch nur mit einjähriger Laufzeit und daher nicht lohnenswert!

Wie alle Normen ist auch die EN-9100-Reihe keine gesetzliche Forderung. Sie basiert in Anwendung und Nachweis auf vertraglichen Regelungen zwischen den Interessenpartnern und dient der Vertrauensbildung. Qualität und Zuverlässigkeit sind kritische Werte für die Luft- und Raumfahrtindustrie, aber natürlich auch der Wehrtechnik.

In einer Umgebung, in der Fehler oder Versagen von Produkten oder Diensten fatale Folgen haben können.
Es soll dazu beitragen, Risiken zu vermindern und den Zulieferfirmen einen zuverlässigen Rahmen für das Anbieten eines Produkts oder einer Dienstleistung zur Verfügung stellen.

Zielgruppen für die Zertifizierung

Die Zertifizierung ist von großer Bedeutung für alle Unternehmen in der Lieferkette der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Wehrtechnik. Für Lieferanten der meisten namhaften Hersteller fertiger Komponenten oder Produkte (Original Equipment Manufacturers, kurz OEMs) ist sie sogar ein Muss bei der Anbahnung und Aufrechterhaltung von Geschäftsbeziehungen.
Um sich als Lieferant in der internationalen OASIS-Datenbank (Online Aerospace Supplier Information System) der IAQG (International Aerospace Quality Group) registrieren zu lassen, ist eine Zertifizierung obligatorisch, denn erst der Eintrag in der OASIS-Datenbank weist aus, dass es sich um ein anerkanntes akkreditiertes Zertifikat handelt.

Grundlagen der EN-9100-Reihe

Die Bemühungen von Mitgliedern der Luft- und Raumfahrtindustrie um die Schaffung eines einzigen Qualitätsmanagementsystems mit allgemeiner Gültigkeit gipfelte schließlich in der Reihe EN 9100, 9110, 9120. Diese Standards werden von den führenden Luft- und Raumfahrt- sowie der Wehrtechnikunternehmen der ganzen Welt angewendet und unterstützt. Dies gilt auch für deren Partnerunternehmen entlang der gesamten Versorgungskette. Mit der 9100-Familie wurden daher Qualitätsmanagementnormen entwickelt, die auf der ISO 9001 basieren und auf die spezifischen Forderungen der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Verteidigung / Wehrtechnik abgestimmt sind.

Das Normenwerk gliedert sich in die oben dargestellten drei Teilbereiche. Sie wurden von der International Aerospace Quality Group (Gruppe zur Qualitätssicherung in der internationalen Luft- und Raumfahrt, IAQG) entwickelt. Wenngleich die Normen unterschiedliche Bezeichnungen mit den Zusätzen „EN“ (Europa), „AS“ (Amerika) oder „JISQ“ (Japan / Asien / Pazifik) tragen, die auf die jeweils regional zuständigen IAQG-Sektoren hinweisen, so sind sie inhaltlich doch identisch und weltweit als gleichwertig anerkannt.

Beispiele:

  • Einbeziehung der Qualitätsmanagementforderungen der Luftfahrtbehörden
  • Einführung eines dem Produkt angemessenen Konfigurationsmanagementprozesses
  • Erstmusterprüfung
  • Risikobewertung
  • Nachweisführung und Rückverfolgbarkeit: lückenlose Aufzeichnungen über
    die gesamte Zulieferkette eines Produkts
  • Einrichtung eines Notfallkonzepts bei der Feststellung von bereits
    ausgelieferten fehlerhaften Produkten
  • Festlegung von Berechtigungen, insbesondere für Freigaben
  • Nachweis der Vernichtung von ausgesonderten Teilen

Unsere Beratungsleistung

Die Umsetzung der Forderungen ist ohne externe Begleitung und Anleitung bei
kleinen und mittleren Unternehmen schwer möglich, da es erheblicher Fachkompetenz
bedarf, um ein Qualitätsmanagementsystem nach AS/EN 9100, 9110, 9120 einzuführen
oder ein bestehendes System nach DIN EN ISO 9001:2008 auf das höhere Niveau anzuheben.
Hierbei können wir Ihnen behilflich sein. Den Umfang unserer Beratungsleistung können
sie unter Leistungsangebot zur Einführung eines Managementsystems entnehmen – oder Sie
fordern gleich unser speziell auf Ihre Belange abgestimmtes Angebot an.

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Bild Tragfläche: Dr. Stephan Barth  / pixelio.de